Trauerbegleitung im Bistum Aachen
http://trauerbegleitung.kibac.de/nachrichten-zu-trauer/index.html?view=detail&id=d0267d11-ea1f-4ce9-9fb1-36dc46f1400f
 
 
Ulrike Gresse

Ulrike Gresse

Vollbild

 
 

 

Die Botschaft der Grabeskirche

Referat zum Tag der Trauerpastoral am 20.6.2012, Grabeskirche

Referat von Ulrike Gresse, Gemeindereferentin in Mönchengladbach in Schriftform

Danke für Möglichkeit, von den pastoralen Erfahrungen in der Grabeskirche zu sprechen.

 

Lt. unserem Tagesprogramm ist mein Referat überschrieben mit dem Titel “Die Botschaft“ der Grabeskirche.

Der Begriff „Botschaft“ schließt erstens ein, dass es einen Inhalt gibt, der an diesem Ort weitergegeben wird.

Etwas Wichtiges, das nicht verschwiegen werden soll,

etwas, das es wert ist, benannt und erwähnt zu werden.

Zum Zweiten schließt der Begriff Botschaft ein, dass es Zugangswege, Medien, Sprache und Zeichen gibt, die verständlich machen, was weitergegeben, weitergesagt werden soll.

Und drittens schließt er ein, dass es Menschen gibt, die etwas zu sagen haben und Menschen, die etwas hören, fühlen, sehen und erleben wollen, die ein Bedürfnis nach einer Botschaft haben.

 

Zu diesen 3 Gesichtspunkten und den Frageworten:

  • was ?
  • wie?
  • und für wen ?

möchte ich in den  kommenden Minuten etwas sagen und auf diese Weise hoffentlich bekräftigen, dass diese Grabeskirche in der Tat eine Botschaft, und zwar eine wohltuende und heilende Botschaft, verkündigt.

 

1.       Der Inhalt der Botschaft

Menschen, die uns bitten, eine Beerdigungsfeier zu leiten, können erwarten, dass wir von unserem Glauben an die Auferstehung sprechen, davon Zeugnis geben – zunächst einmal unabhängig von anderen gewählten und gewünschten Gestaltungselementen wie Musik, poetischen und zeitgenössischen Texten.

Menschen können  diese Botschaft von uns erwarten –  auch unabhängig davon, ob sie diese Erwartung wirklich in sich tragen oder überhaupt formulieren.

Sie als Begräbnisleiterin oder Begräbnisleiter werden das aus Vorbereitungsgesprächen für einen Begräbnisgottesdienst, von Besuchen bei Trauernden vielleicht auch kennen:

da ist es oft und immer öfter meine Aufgabe als Begräbnisleiterin,  dieses Mehr, diese Glaubensbotschaft, im Laufe des Vorbereitungsgespräches zum Thema zu machen.

Behutsam und auf den Trauernden abgestimmt, aber doch als Zeugin dafür, dass mit dem Tod des Menschen aus meiner Sicht als Christin noch lange nicht die Geschichte Gottes mit dem Verstorbenen aufgehört hat.

Diese erste und wichtige Botschaft ist aber ja nicht spezifisch für  eine Bestattung in der Grabeskirche St. Elisabeth.

Das ist das, was uns in der Arbeit miteinander verbindet und gemeinsam ist – egal ob wir auf einem Friedhof oder in einer Grabeskirche einen Menschen bestatten.

Der Flyer, mit dem die Grabeskirche St. Elisabeth auf sich aufmerksam macht, trägt die Abbildung eines unserer Kirchenfenster.

Auf dieser Seite der Kirche hat der Künstler van Winkeln die 7 Werke der Barmherzigkeit in runden Fensterbildern dargestellt.

Diese Werke der Barmherzigkeit drücken ebenfalls eine Botschaft, einen christlichen Auftrag aus:

kümmert euch als Gemeinde um Kranke, um Bedürftige

und kümmert euch eben auch um eine würdigen Umgang mit den Toten und die Begleitung der Trauernden!

Sozusagen als Verpflichtung auf diesen Auftrag hin, hat die Fensterdarstellung

vom 7. Werk der Barmherzigkeit: „Tote zu bestatten und Trauernde zu trösten“ einen ausdrücklichen Platz auf dem Flyer.

Ich möchte an dieser Stelle nicht ausschließen, dass es in den Gemeinden, in denen Sie den Beerdigungsdienst übernommen haben, auch Formen dieser Sorge um die Trauernden gibt.

Dass es noch den Brauch der Totenrosenkränze gibt oder  Gemeinden durch SWÄmter und Jahresgedenken die Anliegen der Trauernden wahrnehmen und sich kümmern.

In den Gemeinden, in denen ich in den letzten Jahren gearbeitet habe, war aber deutlich zu spüren, dass manches Mal der Wille da war – z.B. Trauernde nach einer gewissen Zeit noch einmal zu besuchen, einen Besuchsdienst einzurichten, dass aber oft die personellen Möglichkeiten, die Kraftreserven nicht mehr da waren.

Hier in der Grabeskirche sollte und kann das anders sein.

Mit der Entscheidung zur Umwidmung zu einem Bestattungsort, war für die Gemeinde St.Elisabeth und die Pfarre St.Vitus auch verbunden, dass es ein pastorales Angebot für Trauernde geben soll,

dass wir etwas tun,

etwas anbieten möchten, dass die Trauernden und ihre besondere Lebenssituation in besonderer Weise ernst nimmt.

Die Grabeskirche sollte eben nicht nur ein neuer Bestattungsort sein, sondern ein Ort mit einer möglichen weitergehenden Begleitung für die Trauernden, der sich nicht nur einzelne Hauptamtliche widmen, sondern für die sich die Pfarre St.Vitus insgesamt verantwortlich fühlt.

Diese Absicht ist von Beginn an in die Überlegungen zu einem Pastoralkonzept eingeflossen und wird durch den PGR, den Kirchenvorstand, Gemeindeausschuss und das Pastoralteam mitgetragen.

Und die Trauernden erzählen in Gesprächen immer wieder davon, dass sie diese besondere Art der Zuwendung in der Grabeskirche spüren:

angefangen von den ersten Gesprächen mit dem Team der Geschäftsleitung, über die liturgische Feier, bei der Ehrenamtliche mitwirken,

über die persönliche Einladung zu Gedenkgottesdiensten

über Angebote, die Trauernde besonders ansprechen

und nicht zuletzt über die persönliche Beziehung zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in der Grabeskirche ehrenamtlich oder hauptamtlich mitarbeiten.

Diese zweite Botschaft kommt bei den Menschen an:

sie fühlen sich ernst genommen, sie spüren, dass sie ihre Trauer zur Sprache bringen können und mit ihrer Lebenssituation wahrgenommen werden.

Wir spüren das, wenn die Gedenkgottesdienste, zu denen wir einladen besonders gut besucht sind und Angehörige die Einladung zum anschließenden Gespräch annehmen.

Nach meinem Eindruck macht diese Art „Nachbereitung“ dieses Nachgehen und Mitgehen zusammen mit den Trauernden die Deutung der ersten Botschaft in besonderer Weise begreifbar.

Nun zu  Punkt 2 meiner Überlegungen, der Frage nach dem Wie?

Die Frage nach den Zugangswegen, der Sprache, den Zeichen und Medien, mit denen der Inhalt unserer beiden Botschaften in dieser Kirche weiter gegeben und vermittelt wird.

Ich nehme an, dass wir alle im Begräbnisdienst die Erfahrung machen, dass es schwierig sein kann, im Gespräch mit den Angehörigen sprachlich den richtigen Ton zu treffen.

Manchmal scheint in meiner Wahrnehmung ein Gespräch über den Verstorbenen, über sein Leben, über das, was ihn als Menschen ausgezeichnet hat, fast unmöglich, weil auf beiden Seiten im Grunde die richtigen, die treffenden oder beschreibenden Worte fehlen.

Manchmal ist ein Sterbefall auch so dramatisch und unfassbar – wenn zum Beispiel ein kleines Kind gestorben ist, wenn ein Mensch sich selbst getötet hat - dass wir die Situation schweigend aushalten müssen.

Diese sprach-losen Situationen zeigen aber auch, dass wir im Begräbnisdienst immer wieder auf Zeichen und Symbole, auf Rituale angewiesen sind, die sprachliche Grenzen aufheben.

Das gilt hier in der Grabeskirche und auch auf den Friedhöfen.

Wenn Sie sich umsehen, gibt es in der Grabeskirche vielleicht anders als auf dem Friedhof oder in Friedhofkapellen ein deutliches Plus an Zeichen, an Bildern und Symbolen, die uns mit den Angehörigen ins Gespräch bringen:

Da sind zum einen die Fenster, die auf der einen Seite biblische Geschichten darstellen, die für die Angehörigen einen Anknüpfungspunkt für die Trauerfeier darstellen können:

dann kann die Wahl für einen Bestattungsort in der Nähe des Fensters, das den barmherzigen Vater mit seinem Sohn zeigt, mehr vom Leben des Verstorbenen und der Hoffnung der Angehörigen erzählen, als das zunächst im Gespräch möglich war. Daraus ergibt sich vielleicht sogar eine Idee für die Wahl der Bibelstelle, die im Gottesdienst im Mittelpunkt stehen soll, oder eine Idee für das Fürbittgebet.

(Und in Klammern: ich habe in meinen Dienstjahren als Gemeindereferentin  Erwachsenen nirgendwo so häufig  biblische Geschichten erzählt wie hier in dieser Kirche anhand der Kirchenfenster)

Weitere sehr ausdrucksstarke Elemente in den Begräbnisfeiern in der Grabeskirche sind Weihwasser und Weihrauch.

Damit sie im wahrsten Sinne des Wortes Ausdrucks - stark  sind, müssen  Rituale wie das Segnen mit Weihwasser und die Bedeutung des Weihrauches sicher manches Mal im Vorgespräch oder während der Feier auf neue Weise interpretiert und erläutert werden.

Das heißt für mich als Begräbnisleiterin, dass ich mit einer neuen Offenheit an altbekannte Rituale herangehe und mit betroffenen Angehörigen etwas Neues entwickle.

Hier denke ich an das Nachzeichnen der Lebensdaten und des Namens der verstorbenen Menschen, die auf der Grabplatte stehen.

„Du bist in Gottes Hand gezeichnet“ – Angehörige und Trauergemeinde spüren das nach, wenn sie bei der persönlichen Verabschiedung die Gelegenheit haben, der Beschriftung mit den eigenen Fingern nachzugehen.

Da sind erklärende, deutende Worte notwendig.

Aber dieses Erklären „lohnt“ sich:

die Angehörigen sind dankbar und positiv angerührt, wenn sie spüren, sehen und riechen – und zwar über die gesprochenen Worte hinaus – dass der verstorbene Mensch einen ganz besonderen Wert hatte, dass sie die Urne selbst noch einmal mit Weihwasser segnen und berühren können, dass sie ihre eigene Form des Segnens finden können, dass sie nicht nur die Urne zum Abschied noch einmal berühren,  sondern segnen, etwas mit den eigenen Händen tun können.

Ein weiteres Medium, um froh machende Botschaften zu vermitteln, ist auch in dieser Kirche die Musik.

Gleich in der Mittagszeit werden wir einen Eindruck davon bekommen, wie wertvoll die Orgelmusik in dieser Kirche ist.

Bei den Bestattungen spielt immer ein Organist der Pfarre diese Orgel – d.h. in der Regel läuft hier keine CD.

Liedwünsche der Angehörigen nehmen die Begräbnisleiterinnen und Begräbnisleiter sicher auf, aber wir weisen immer darauf hin, dass dieses Orgelspiel den feierlichen Charakter der Bestattung unterstreicht.

Die meisten Angehörigen können das nachempfinden.

Spätestens beim Gang durch das Mittelschiff zur Grabstelle, wenn der Organist das Lied „Mögen Engel dich zum Paradies geleiten“ spielt und singt, wird deutlich, dass dieses gemeinsame Gehen mit der Trauergemeinde etwas in Bewegung bringt, dass wir damit als Gemeinschaft erste Schritte auf dem Trauerweg gehen.

Auf dem Friedhof ist nach meiner Erfahrung mancher Gang von Kapelle bis zum Grab weniger würdevoll, weil sich die Trauernden vielleicht aus Unsicherheit in der Situation unterhalten, sich die erste Zigarette anzünden oder ihr Handy wieder aktivieren.

Zum Schluss dieses Punktes soll ein  Zitat einer Angehörigen stehen.

Sie sagte nach der Bestattung ihres Ehepartners:

„hier gehört mein Mann hin!

Hier ist eine Kirche, ein heiliger Ort!

Hier kann ich Gottesdienst mit meinem Mann feiern, auch wenn er tot ist.

Ich möchte so gerne, dass mein Mann einen guten Platz, ein gutes Zuhause hat. Und diese Kirche ist ein Haus, ein Zuhause.“

Soweit das Zitat.

Sie merken an diesem kurzen Ausschnitt aus einem Gespräch aber auch:

die vorhandenen und genutzten Zeichen und Symbole „sprechen“  auch hier in der Grabeskirche nicht immer automatisch.

Aber: sie bringen beide Seiten – die Begräbnisleiterinnen und – leiter und die Angehörigen miteinander ins Gespräch und helfen gerade dann, wenn Sprachlosigkeit die Vorbereitung einer Bestattung aus unterschiedlichen Gründen erschwert oder es schwierig wird, die  Botschaft von der Auferstehung, von Gottes Begleitung auch in der Trauer in Worte zu fassen.

Was uns zum Abschluss noch fehlt sind die Menschen, die eine für uns wertvolle Botschaft verkünden und die, die diese Botschaft hören wollen

Zurecht fallen uns da im Zusammenhang mit einer Bestattung die Begräbnisleiter/ leiterinnen auf der einen und die betroffenen Angehörigen auf der anderen Seite ein.

Ich möchte an dieser Stelle aber besonders auf die Botschafterinnen und Botschafter eingehen, die in der Grabeskirche ehrenamtlich durch ihren Dienst zeigen:

Ich kneife nicht vor der Auseinandersetzung mit dem Tod, mit dem Sterben und der Trauer.

Ich mute mir diesen Dienst als Ansprechpartnerin, als Ansprechpartner,

im liturgischen Dienst bei den Bestattungen,

in der Gestaltung von Totenandachten

oder in der Begleitung einer Trauergruppe zu,

weil ich mit anderen die Hoffnung auf ein ewiges Leben teilen möchte.

Ich möchte durch meinen Dienst zeigen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.

Ich möchte da sein und das  Werk der Barmherzigkeit „Trauernde zu trösten“ in die Tat umsetzen.

Das ist eine sehr konkrete Umsetzung der Botschaft zu der an dieser Grabeskirche ca. 40 Frauen und Männer bereit sind.

Und:

Neben den Angehörigen, die diese Kirche als Bestattungsort für ihre Angehörigen ausgesucht haben und neben den Ehrenamtlichen, gibt es immer wieder und immer mehr Menschen, die nach einem Ort suchen, an dem sie über ihre Vorstellung vom Tod, über verschiedene Bestattungsformen, über Vorsorgemöglichkeiten oder über die persönliche Trauer ins Gespräch kommen möchten.

Es kommen Menschen, die mit ihren Angehörigen im Vorfeld einen Ort für ihr eigenes Begräbnis, ihre Bestattung suchen und vor ihrem Tod alles geordnet haben möchten.

Es gibt Besuchergruppen, die einen Besuch in der Grabeskirche nutzen, um sich zu informieren, das Neue kennen lernen möchten und dann darüber hinaus das Gespräch mit uns suchen, um ihre eigenen Ängste und Befürchtungen ansprechen zu können.

Oder es kommen Palliativdienste und Hospizgruppen, die  völlig zurecht einen Ort suchen, an dem sie Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner vorfinden, die etwas zu der spirituellen Seite des Sterbens und der Trauer sagen können.

Ein Beispiel für diese Anfragen ist Folgendes:

Anfang des Jahres ist auf der Hohenzollernstr. hier in unmittelbarer Nähe zur Grabeskirche eine junge Frau, eine Moslima, tödlich verunglückt.

Lange trafen sich an dem Baum, an dem das Unglück passierte, junge Leute, die Kerzen anzündeten und Blumen brachten.

Nach einiger Zeit kamen sie in die Grabeskirche und suchten einen geschützten Platz, einen Platz, an dem sie – unabhängig von ihrer Glaubenszugehörigkeit - ihre Trauer in Ruhe mit anderen teilen konnten, ihre Trauer öffentlich machen konnten.

Sie haben sich für den Marienaltar entschieden und sich dort zum Erinnern getroffen.

Der Anwalt der Familie bat meine Kollegin und mich später darum, die Familie seelsorgerisch zu begleiten.

Das ist vielleicht der größte Schatz, den diese Grabeskirche in Bezug auf diese beiden genannten christlichen Botschaften in meiner Wahrnehmung in sich trägt:

Sie bringt Menschen in Beziehung zueinander:

Trauernde mit Menschen, die trösten und begleiten möchten,

Interessierte, die der Kirche und ihren Botschafterinnen und Botschaftern noch Antworten zutrauen und uns dadurch als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im positiven Sinne herausfordern, von unserer Hoffnung zu sprechen und danach zu handeln.

Dankeschön für Ihre Aufmerksamkeit!


Von Monika Herkens

Veröffentlicht am 19.11.2012

Dateien zum Download

Die Botschaft der Grabeskirche (pdf, 35206)

Die Botschaft der Grabeskirche (als PDF-Datei) Referat von Ulrike Gresse, Gemeindereferentin in Mönchengladbach in Schriftform

Die Botschaft der Grabeskirche (doc, 46592)

Die Botschaft der Grabeskirche (Word-Datei) Referat von Ulrike Gresse, Gemeindereferentin in Mönchengladbach in Schriftform

 
Test