Trauerbegleitung im Bistum Aachen
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2. Tag der Trauerpastoral in der Grabeskirche St. Elisabeth in Mönchengladbach

In den Pausen bestand Möglichkeit zum Informationsaustausch und zum Kennenlernen der Grabeskirche St. Elisabeth, eine von mittlerweile drei Grabeskirchen in unserem Bistum.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 26/2012

Vom Stiefkind zum Trendsetter

2. Tag der Trauerpastoral behandelte in der Mönchengladbacher Grabeskirche die „Urnenbeisetzung“

Vor wenigen Jahrzehnten noch galt es als Ausdruck bewusster Gegnerschaft zum Christentum, wenn jemand sich nach dem Tod einäschern ließ. Die Kirche belegte eine solche Tat mit scharfen Verboten und Kirchenstrafen; mittlerweile wird in Deutschland die Hälfte aller Toten in Urnen beigesetzt.

Auch unter braven Katholiken gibt es immer mehr Menschen, die eingeäschert werden möchten, aus verschiedenen Gründen. Eine Folge auch im Bistum Aachen ist die Umwidmung von Pfarrkirchen zu „Grabeskirchen“, die Raum für Urnenbeisetzungen haben, derzeit drei: St. Josef Aachen, St. Elisabeth Mönchengladbach und St. Josef Viersen.

Diese Situation ließ die Idee reifen, den diesjährigen, 2. Tag der Trauerpastoral im Bistum Aachen unter das Thema zu stellen: „Wandel der Bestattungskultur: Urnenbeisetzung – vom Stiefkind zum ,Trendsetter‘“. Christel Pott, Abteilungsleiterin „Pastoral in Lebensräumen“ im Generalvikariat, konnte 200 Teilnehmer aus dem ganzen Bistum in

St. Elisabeth Mönchengladbach begrüßen. „2006 wurde in Aachen die erste Grabeskirche in unserem Bistum eingerichtet. Dies ist der Ausdruck des Wandels der Kultur in unserem Land“, erinnerte sie. Trauer gehöre zum Leben, es sei eine wichtige Aufgabe der Kirche, den Menschen in der schwierigen Lage des Todes von Freunden oder Angehörigen Beistand zu gewähren.

Pfarrer Anton Straeten als Diözesanbeauftragter für die Trauerpastoral lobte, dass sie im Bistum besonders hohe Qualität besitze. „Dazu gibt es drei Gründe: das innovative Konzept der Grabeskirchen, die 250 Laien im Bistum, Ehrenamtler, die ihren Dienst in der Trauerpastoral engagiert verrichten, und schließlich das Angebot der Trauerbegleitung“, erklärte er.

Wolfgang Bußler, als Pfarrer von St. Vitus auch verantwortlich für St. Elisabeth, berichtete über den Weg zur Grabeskirche im Kontext mit dem Zusammenschluss der Innenstadtpfarreien zur neuen Pfarrei St. Vitus. Dabei waren auch Kirchen zur Disposition gestellt.

 

Die Gemeindekirche blieb als Grabeskirche erhalten

Die Idee der Gemeindeleitung von St. Elisabeth, nach dem Vorbild von St. Josef Aachen eine Grabeskirche einzurichten, fand die Billigung der Gemeindemitglieder und konnte in etwa drei Jahren umgesetzt werden: Am 1. November 2009 war die letzte Messe in der Pfarrkirche, zum 1. Januar 2010 die Fusion zur neuen Pfarrei – und der Erhalt als Grabeskirche. „Heute wirken hier 40 engagierte Ehrenamtler und Hauptamtler mit hoher Kompetenz. Seit 2011 arbeitet hier die Gemeindereferentin Ulrike Gresse, ihr Schwerpunkt ist Trauerpastoral, außerdem haben wir Frank Cremers als Geschäftsführer. So bleibt die Kirche erhalten als Verbindung zwischen Trauernden und Verstorbenen als Raum für Begegnung und das Sprechen von Hoffnung“, schloss Bußler.

Reiner Sörries, Professor an der Uni Erlangen, sprach über die Entwicklung „Von den Katakomben der Urkirche zur Urnenbestattung heute“. Anders als die Römer mit einer Familiengrabstätte – Urnengräbern – an den Straßen, blieb das Proletariat ohne Familie auch ohne Grab, es endete in Verwesungsgruben, ohne Gedenkort. Die Christen hatten Gemeindefriedhöfe, unter ihrem Einfluss nahmen in der Spätantike Körperbestattungen zu. Erst 786 hat Karl der Große in einem Erlass die Feuerbestattung bei Strafe verboten, Adressaten waren jedoch die heidnischen Sachsen.

Im Mittelalter haben die Menschen die Nähe zu den Reliquien und zur Messe gesucht, man bestattete in der Kirche. „Dabei lagen die Toten dicht beieinander, fast so wie heute in den Grabeskirchen“, meinte Sörries. Um 1800 kamen die kommunalen Friedhöfe auf, „gerichtet gegen kirchliche Einflüsse. Heute stoßen sie an ihre Grenzen: Etwa ein Drittel der Grabstellen in den Großstädten stehen heute leer“, stellte Sörries fest. 1878 gab es das erste deutsche Krematorium. War die Kirche erst gegen die Feuerbestattung, so hat das Zweite Vatikanische Konzil sie erlaubt, mit Rücksicht auf andere Kulturen.

2004 gab es die erste Grabeskirche in Deutschland: die Alt-katholische Kirche in Krefeld; derzeit gibt es über 50. „Heute ist Bestattung ein Markt mit vielen Möglichkeiten bis hin zur Seebestattung, dem Verschießen ins Weltall oder dem Verpressen der Asche zu einem Diamant. Dabei ist die Kirche ein stabilisierender Faktor. ,Der Herr vollende in dir, was er in der Taufe begonnen hat‘, heißt es in der Grabliturgie“, erinnerte Sörries. „Die Frage heute ist: Was tut den Hinterbliebenen gut? Das ist ein mentales Problem“, schloss er.

Mit-Organisator Heinz-Leo Görtzen erinnerte an die aktuelle Aufgabe der Kirche angesichts von mittellosen Toten ohne Angehörige, deren Bestattung von den Kommunen bundesweit ausgeschrieben und dem billigsten Anbieter übergeben werde. „Wo bleibt da die Würde des Toten?“

 

Der Auferstehungsglaube geht immer mehr verloren

Albert Gerhards, Professor in Bonn, sprach über „Christliche Bestattungskultur am Scheidewege“. Drei Funkionen habe das christliche Begräbnis, führte er aus: Geistlichen Beistand für den Verstorbenen auf seinem Weg zu Gottes Gericht, Ehre für den Leichnam und den Trost der Hoffnung für die Hinterbliebenen. Die Reserve gegen die Feuerbestattung hänge mit den angstmachenden Bildern von Feuer zusammen, mit Hölle, Fegefeuer und Weltuntergang.

„Das Symbol schafft eine wahrnehmbare Verbindung zum Dargestellten, deshalb ist es schwer, in der Liturgie vor der Asche wie vor einer Leiche zu sprechen. Es gibt kein angemessenes Ritual für die Urnenbeisetzung, ein Ansatz zeigt sich im Rituale der Alt-Katholiken, wo vom Leichnam in der dritten Person gesprochen wird. Eine Hilfe wäre vielleicht, ein Bild des Verstorbenen aufzustellen“, meinte Gerhards. „Entscheidend ist aber nicht, ob Körper- oder Feuerbestattung angemessener ist, sondern ob die Gemeinschaft der Lebenden und Verstorbenen glaubhaft im Leben der Gemeinde zum Ausdruck kommt. Da besteht hier in der Grabeskirche eine Chance, das neu zu bringen. Das Problem ist die Verdunstung des Glaubens an die Auferstehung, nicht die Art der Bestattung“, mahnte Gerhards.

Ulrike Gresse erläuterte „Die ,Botschaft‘ der Grabeskirche – pastorale Chancen bei der Bestattung“. Sie machte drei Punkte fest: „Die Botschaft hat einen Inhalt, der weitergegeben werden muss: den Glauben an die Auferstehung. Zugangswege dazu sind Medien und Zeichen, die diese Botschaft über die Sprache hinaus verständlich manchen. Dazu braucht es Menschen, die vermitteln, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.“ Dabei machte sie deutlich, welche pastorale Bedeutung die Grabeskirche auch für Nicht-Gläubige hat.

Die Vorträge wurde in acht Workshops noch ergänzt und vertieft, zum Nutzen der Mitarbeiter der Trauerpastoral.


Von Michael Pütz

Veröffentlicht am 05.07.2012

 
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